Bulimie

Bulimiker leiden unter Essattacken, die sie mit verschiedenen Maßnahmen kompensieren. Häufige Kompensationsmethoden sind Erbrechen, Abführmittel-Missbrauch und exzessiver Sport.

Definition

Die bulimischen Essattacken sind durch zwei Merkmale gekennzeichnet:

  1. Der Betroffene isst große Mengen – mehr als andere Personen unter denselben Bedingungen essen würden.
  2. Der Betroffene hat das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.

Wenn eine Person beim Essen zwar das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren, aber sie keine großen Nahrungsmengen zu sich nimmt, handelt es sich um eine sogenannte subjektive Essattacke. Die Diagnose Bulimie erfordert jedoch das Vorliegen objektiver Essattacken.

Bulimiker haben wie Magersüchtige oft Angst davor, zuzunehmen. Gewicht und Figur spielen eine große Rolle in ihrem Leben und sind eng mit dem Selbstwertgefühl verknüpft. Bulimiker gleichen ihre Essattacken durch verschiedene Maßnahmen aus. Dabei kann eine Person zu verschiedenen Kompensationsmaßnahmen greifen oder sich nur auf eine davon konzentrieren.

Vorkommen

Etwa 1 % der Bevölkerung leidet unter Bulimie, Tendenz steigend. Die meisten betroffenen sind etwa 18 Jahre alt. Bulimie kann jedoch in jedem Lebensalter beginnen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer: Statisch gesehen kommen auf einen männlichen Bulimiker zwanzig Bulimikerinnen.

Körperliche Folgen

Bulimie kann Mangelerscheinungen und Organschäden nach sich ziehen, die bis zum Organversagen und auch zum Tod führen können. Abführmittelmissbrauch kann langfristig dem Verdauungssystem schaden und seine Funktion beeinträchtigen. Mögliche Komplikationen sind Verstopfungen, Blutungen und Absterben von Gewebe (Nekrose). Durch Risse im Darm kann Kot in den Bauchraum gelangen und schwere Infektionen verursachen. Laxantien können darüber hinaus zu lebensbedrohlichen Elektrolytstörungen und Dehydration führen.

Seltener, aber ebenfalls möglich, ist das Platzen/Reißen des Magens oder ein Durchbruch der Speiseröhre. Bulimie erhöht darüber hinaus das Risiko für Speiseröhrenkrebs und Magenschäden. Während einer Essattacke oder beim Erbrechen besteht zudem die Gefahr, dass Bulimiker an der Nahrung oder am Erbrochenem ersticken.

Bulimie kann zu Elektrolytstörungen führen, die ebenfalls lebensbedrohlich sein können. Durch das Erbrechen können Schäden an Zähnen und im Mund/Rachen entstehen. Häufig schwellen die Speicheldrüsen, was zu sichtbaren “Hamsterbacken” führt.

Weitere mögliche Folgen von Bulimie umfassen trockene Haut, eingerissene Mundwinkel, Biss-/Kratzspuren auf der Hand, Haarausfall, empfindliche Zähne (durch den Verlust des Zahnschmelzes), Wassereinlagerungen oder Dehydration, einen aufgeblähten Bauch, Knochenschwund (Osteoporose) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Psychische Folgen und Begleiterscheinungen

Bulimiker leugnen ihre Krankheit vor sich selbst oft nicht und sind sich der Problematik ihres Verhaltens eher bewusst als Magersüchtige. Dennoch versuchen die meisten Betroffenen, die Bulimie gegenüber anderen Personen geheim zu halten. Einige Bulimiker entwickeln einen fatalistischen schwarzen Humor. Manche fokussieren sich auf das lustvolle Essen oder die Erleichterung, die sie beim Übergeben verspüren. Diese Empfindungen treffen jedoch nicht auf alle Bulimiker zu.

Bulimie kann mit verschiedenen anderen psychischen Krankheiten einhergehen. Viele Betroffene leiden unter Depressionen und/oder Angsterkrankungen.

Bulimie wird oft mit einem allgemeinen Impulsivität in Verbindung gebracht, die sich auch in Bezug auf die Stimmung, den Umgang mit anderen Menschen und die Entstehung von Impulskontrollstörungen auswirken kann. Bulimiker sind überdurchschnittlich häufig von Substanzen abhängig oder konsumieren psychotrope Substanzen. Auch sogenannte Verhaltenssüchte wie Spielsucht, Onlinesucht oder ähnliches sind möglich.

Der Übergang zwischen Bulimie und einer anderen Essstörung kann fließend sein. Zudem kann sich eine Essstörung im Lauf der Zeit verändern. Bulimie und Magersucht treten häufig (mit oder ohne Pause) nacheinander auf, wobei die meisten Betroffenen zunächst unter Magersucht leiden und später bulimisch werden.

Wie bei Magersüchtigen, so gibt es auch bei Bulimikern einen Zusammenhang mit Persönlichkeitsstörungen. Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ und die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung sind hier an erster Stelle zu nennen.