Binge-Eating-Störung

Die Binge-Eating-Sörung ist durch Essattacken gekennzeichnet. Während eines Essanfalls verzehrt ein Binge Eater große Nahrungsmengen. Zudem treten weitere psychische Symptome wie Schuldgefühle, schnelles Essen, Ekelgefühle oder Depressivität auf.

In Deutschland gilt das Klassifikationssystem ICD als Grundlage für Diagnosen, die Ärzte, Psychologen und Therapeuten stellen. In der aktuellen Version ICD-10 ist die Binge-Eating-Störung noch nicht aufgeführt. Sie wird ggf. als nicht näher bezeichnete Essstörung diagnostiziert.

Definition

Die folgende Definition bezieht sich auf die Kriterien, die im DSM-5 festgelegt sind.

Binge Eater leiden unter wiederholten Essattacken. Während eines solchen Essanfalls verlieren sie die Kontrolle über ihr Essverhalten. Der Kontrollverlust kann unterschiedliche Formen annehmen. Einige Binge Eater essen sehr hastig und ungewöhnliche Nahrungsmittel-Kombinationen. Andere wirken während einer Essattacke ruhig und gefasst, haben jedoch ebenfalls innerlich die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren und können sich nicht mehr ohne enorme Willensanstrengung stoppen.

Während einer Essattacke verzehrt ein Binge Eater deutlich mehr als eine andere Person unter ähnlichen Umständen essen würde. Eine üppige Feiertagsmahlzeit ist demnach keine Essattacke. Die Psychologie spricht nur dann von einer objektiven Essattacke wenn der Betroffene sowohl eine große Nahrungsmenge verzehrt als auch einen Kontrollverlust empfindet.

Zusätzlich zu den wiederholten Essanfällen treten bei der Binge-Eating-Störung weitere Symptome auf. Binge Eater …

  • essen viel schneller als gewöhnlich
  • essen, bis sie sich unangenehm voll fühlen
  • essen viel, auch wenn sie sich nicht körperlich hungrig fühlen
  • essen allein, weil sie sich dafür schämen, wie viel sie essen
  • fühlen sich nach der Essattacke von sich selbst angewidert, deprimiert oder sehr schuldig

Das diagnostische Manual DSM-5 legt fest, dass für die Diagnose einer Binge-Eating-Störung neben den objektiven Essattacken mindestens drei der aufgelisteten Symptome vorliegen müssen.

Die Essattacken treten im Durchschnitt mindestens einmal pro Woche auf, wobei das Binge Eating mindestens drei Monate lang anhält.

Abgrenzung

Bei der Binge-Eating-Störung handelt es sich nicht um lustvolles Essen (hedonisches Essen), das positiv motiviert ist. Stattdessen bildet die Essstörung eine psychische Krankheit, die mit Leiden einhergeht. Eine Essattacke kann jedoch vorübergehend Gefühle wie Erleichterung oder Glück hervorrufen, auch wenn sie insgesamt mehr Leiden verursacht. Außerdem kann eine Essattacke negative Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Scham dämpfen. In diesen Fällen versuchen Betroffene jedoch, mit dem Essen einen negativen Reiz zu entfernen (negative Belohnung), statt sich selbst etwas gutes zu tun (positive Belohnung). Auch eine solche negative Belohnung trägt jedoch dazu bei, dass die Essattacken bestehen bleiben.

Einige Menschen leiden unter einem Kontrollverlust beim Essen, aber sie verzehren keine ungewöhnlich großen Essensmengen. Die Psychologie spricht in diesem Fall von subjektiven Essattacken. Subjektive Essattacken können im Rahmen anderer Essstörungen auftreten, aber auch für sich stehen. Wiederholte subjektive Essattacken, die nicht durch eine andere psychische Krankheit erklärt werden, werden auch als Loss of Control Eating (LOC Eating) bezeichnet. LOC Eating ist nicht als eigenständige Essstörung definiert.

Wenn die Essattacken durch unangemessene Maßnahmen ausgeglichen werden, handelt es sich um Bulimie. Ein häufiges Missverständnis geht davon aus, dass Bulimiker sich ausschließlich erbrechen, um ihre Kalorienaufnahme zu reduzieren. Doch auch die Kompensation durch Abführmittelmissbrauch, exzessiven Sport, Medikamentenmissbrauch, Fasten und andere schädliche Methoden kann auf Bulimie hindeuten.

Essanfälle können auch bei Magersüchtigen auftreten. Das trifft sowohl auf subjektive Essattacken als auch auf objektive Essattacken (die kompensiert werden) zu. Auch in diesem Fall liegt keine zusätzliche Binge-Eating-Störung vor.

Einige Menschen zeigen einige Symptome einer Binge-Eating-Störung, doch sie erfüllen nicht alle Kriterien, die für eine Diagnose erforderlich sind. Hier kommt die Diagnose einer nicht näher bezeichneten Essstörung infrage.

Wenn die Essanfälle ausreichend durch eine körperliche Krankheit erklärt werden können, wird keine Essstörung diagnostiziert – es sei denn, die Symptome gehen deutlich über die körperliche Krankheit hinaus und sind bis zu einem gewissen Grad unabhängig von organischen Ursachen.